Empfehlungen für Unterkünfte in Italien

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So sehr das Wandern – etwa sechs Stunden von Monterosso bis Riomaggiore – mit dem ständigen Meerblick eine Lust ist zwischen den winzigen Dörfchen, die doch alle ihren ganz eigenen Stempel tragen, so unmöglich machte es die zerklüftete Geographie den Errungenschaften der Technik. Zwar kam 1870 die Eisenbahn, doch die Tunneltrasse erblickt das Tageslicht nur dort, wo ein Ortskern martialisch durchschnitten wird, um Platz für den Bahnhof zu schaffen. Geht einem der Fußmarsch zu sehr auf Geist oder Gelenke, kann man so entweder via Schnellboot oder Schienentaxi rasch zum Ausgangspunkt zurückkehren. Erst in den 1960er Jahren wurden Stichstraßen angelegt, aber sie sind sehr gewunden und gesäumt von überwucherten Wracks, und die Benzinkutschen dürfen nicht hinein ins kühle Gassengewinkel, wo sie ohnehin nur stinken und stecken bleiben würden.

Kein Wunder, dass sich viele hier so Wohlfühlen, die aus Großstadt-Dschungeln kommen, wo Planer jahrzehntelang der „autogerechten“ Stadt alle historische Substanz opferten, bis sie nach erfolgtem Kahlschlag die „Fußgängerzone“ propagierten und jetzt mit Betonblumenkübeln und Stolperschwellen sterile Intimität rekonstruieren. An den Cinque Terre ging aller Fortschritt spurlos vorüber, und gerade das macht sie heute so wertvoll – nur für die freilich, die die Kehrseite der Mobilitäts-Medaille kennen. Die Schattenseite der „menschengerechten“ Urbanität ist wiederum gerade die fehlende Anonymität, wenn jeder jeden auf Schritt und Tritt sieht, was auch viele Jüngere vertrieb.


Riomaggiore

So suchte sich die Jugend ihren eigenen Weg, und deren Spuren folgt errötend der Touristen-Tross. Zwischen Manarola und Riomaggiore, dem südöstlichen Ende der Cinque Terre, verläuft ein besonders gut ausgebautes Stück Ufersteig, dessen publikumswirksamer Name die Phantasie auf den Plan ruft: Via dell’ Amore – trotz Geländer immer ein heikler Weg zwischen Himmel und Abgrund!

Der „Liebespfad“ wurde angelegt, vielleicht um dem – auch im familiären Italien „de“-grassierenden – Bevölkerungsschwund entgegenzuwirken. Oder die Tunnel-Galerien mit den zahllosen eindeutig zweideutigen Graffiti standen Pate für die Eros-Meile. Die vielen Pärchen kommen tagsüber zum Händchenhalten und nächtens wohl auch zum Liebemachen. Dafür sprechen zumindest die heftigen Bürgerproteste gegen Laternen-Illumination. Da hier die Autos fehlen, die sonst landesweit als schaukelnde Liebeslauben dienen, bliebe kaum eine Alternative. Im Dunkeln ist gut Munkeln, und nur der Mond sei Zeuge, wenn Cupido seine Pfeile voll ins Schwarze treffen lässt.


Die Kirche San Pietro

Würde die Via dell’ Amore weitergeführt Richtung Südosten, so endete sie geographisch wie erotisch sehr passend auf der Spitze einer Landzunge in Portovenere, dem Hafen der Liebesgöttin. Die Hochgebaute Stadt mutet an wie ein mittelalterliches Manhattan und wird gern noch zu den fünfen dazugezählt, was aber nicht aufgeht, denn sonst wären’s deren sechs. Vom Kap mit der zauberhaften Kirche San Pietro – ein genuesisches Kleinod im charakteristischen „Zebramuster“ anstelle eines antiken Tempels – schaut man westwärts zurück auf Cinque Terre und ostwärts auf den schönen Meerbusen von La Spezia, auch Golf der Poeten genannt, weil ihn schon Dante, Petrarca, d’Annunzio, Graf von Platen, John Keats, Lord Byron und Percy Bysshe Shelley priesen.

Besondere Reiseziele

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